Die Ratsschulbibliothek umfasst vier Sondersammelgebiete.


Musikaliensammlung

In der Bibliothek existiert seit 1896 eine gesonderte Sammlung der gedruckten und handschriftlichen Musikalien. 1891 erhielt Reinhard Vollhardt vom Rat der Stadt Zwickau den Auftrag, die Musikschätze zu ordnen und zu katalogisieren. In den darauffolgenden 100 Jahren wurde die Sammlung zunehmend von Wissenschaftlern ergänzt, so dass bisher 1255 gedruckte Musikalien bis 1900 gezählt werden konnten. Darunter befinden sich 4 Inkunabeln, 293 Drucke des 16. Jahrhunderts, 266 des 17. Jahrhunderts, 122 des 18. Jahrhunderts und 570 des 19. Jahrhunderts. 875 Musikalien sind deutscher Herkunft, 249 haben einen lateinischen und 53 einen französischen Text. Die Musikalien stammen zum größten Teil aus dem Zeitraum zwischen 1520 und 1650. Nach 1650 wurden kaum noch Drucke angeschafft. Sie kommen zum Großteil aus den Nachlässen von Roth und Daum. Unter den Musikalien fällt besonders eine stattliche Zahl an italienischen Madrigalen auf. Sie gehen auf den Nachlass des Zwickauer Kreisphysikus Dr. Peter Poach (1549-1622) zurück, der in Italien studierte, 1580 in Padua die Doktorwürde erwarb und die in Venedig erschienenen Drucke nach Deutschland mitbrachte. Poach vermachte seine Bibliothek dem bekannten Zwickauer Rektor Christian Daum.

Musikstück Hier haben Sie bald die Möglichkeit, Originalmusik aus der Ratsschulbibliothek anzuhören.


Eile Gott mich zu erretten, von D. Köhler, 16. Jh. Gassenhauer, 1535 Gassenhauer, 1535 Gassenhauer, 1535 Missale Numburgensis


Schulschriftensammlung

Die Schulschriften der höheren Lehranstalten Deutschlands und Österreichs stammen von 1559 Schulen aus 896 deutschen und österreichischen Orten. Neben Abhandlungen zu allen Fachgebieten bieten sie einen Fundus an Lehrer- und Schülerverzeichnissen. Die Hefte sind in fast 400 Fächern untergebracht und von den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts ab relativ vollständig erhalten. Größere Lücken weisen die Bestände der achtziger und neunziger Jahre des 19. Jahrhunderts auf, während von 1900 an die Jahrgänge fast vollständig vorliegen. 118 der ältesten höheren Schulen (Gymnasien) sind von den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts an durch eine fast geschlossene Reihe dokumentiert, während die Schriften der Realschulen naturgemäß erst in den siebziger und achtziger Jahren häufiger auftauchen. Mit wenigen Ausnahmen endet die Reihe der Jahresberichte mit 1915. Die Schulschriften sind bisher nur summarisch nach Orten und Schulen erfasst. An einer exakten Katalogisierung, auch der thematischen Beihefte, wird gearbeitet.


Porträtsammlung

13 Quartbände enthalten eingeklebte Holzschnitte, Kupfer- und Stahlstiche von Porträts, wie sie in den Personalschriften des 16. bis 18. Jahrhunderts vielfach vorkommen. Ein Teil der Bilder stammt aus der 1723 in Nürnberg gedruckten Porträtsammlung von Friedrich Roth-Scholtz. Der Großteil der Bilder wurde aus alten Drucken herausgelöst. Die Sammlung enthält 2090 Porträts von 1903 Persönlichkeiten, gegliedert nach deren Beruf oder Stand.
In den einzelnen Bänden sind die Porträts gruppiert:


Ludovica Adelgunda Victoria Gottsched Christian Daum Georg Friedrich Händel Andreas Gryphius Signatius de Loila Christiana Eberhardina, sächsische Kurfürstin
Heinrich Schütz Sophia Augusta von Anhalt Papst Pius II


Die Entstehungszeit der Quartbände liegt zwischen 1753 und 1756. Der jüngste Kupferstich entstand im Jahre 1753. Die Bände sind offenbar unter dem Direktorat von Christian Clodius zusammengestellt worden. Auf Veranlassung von Clodius wurden sie 1756 durchgesehen und die einzelnen Porträts beschriftet. Darauf weist der Eintrag im Innendeckel von Band 6 hin: "Pervolutavimus in Meditoris hör. priv. Mense Mayo 1756".


Sammlung Georg Göhler

Der Nachlass des 1874 in Zwickau geborenen und 1954 in Lübeck gestorbenen Dirigenten, Komponisten und Musikwissenschaftlers Dr. Georg Göhler wird seit 50 Jahren in der Ratsschulbibliothek in Zwickau aufbewahrt.
Er umfasst ca. 23.000 Briefe an Georg Göhler, seine Kompositionen als Autographe und Notendrucke, seine Notenbibliothek, seine Musikbibliothek sowie zahlreiche Lebensdokumente. Zum Nachlass gehören auch 2 Zimmereinrichtungen: Göhlers Arbeitszimmer, u.a. mit 2 Büsten (Mozart, Beethoven) des Leipziger Bildhauers Carl Seffner und Göhlers Wohnzimmer (Biedermeiermöbel aus der Zeit um 1830 mit Sekretär, Tisch, 6 Stühlen, Kommode, Sofa, Lehnstuhl, Ofenschirm, Kissen, Teppich sowie Gemälden und Kupferstichen).

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